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WM-Kolumne: Argentiniens teuflisches Angriffstrio

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Argentiniens teuflisches Angriffstrio

01.07.2010, 14:09 Uhr | Jonny Giovanni

Helden der argentinischen Fans: Diego Maradona und Lionel Messi. (Foto: imago)

Wahrscheinlich hat es zuletzt 2002 ein so teuflisches Angriffsdreieck gegeben wie dieses. Da gewann Brasilien die Weltmeisterschaft, weil es, wie nach dem Finale gegen Deutschland der Zeitzeuge Edmund Stoiber erklärte, "ein Trio vorne hat wie Ronaldo, Ronaldinho und äh, die anderen Brasilianer." Mit dem damaligen Kanzlerkandidaten - der Spieler, der ihm nicht einfallen wollte, war übrigens Rivaldo - würde man jetzt wohl von Messi, Higuaín und den anderen Argentiniern sprechen oder auch von Messi, Tévez und den anderen. Und das wäre nicht mal so falsch, denn auf der Bank warten ja noch Diego Milito, Sergio Agüero und der verrückte, heilige Martín Palermo.

Aber zurück zu den eigentlichen Dreien, denn sie sind beim hinsichtlich Verteidigung und Mittelfeld noch unschlüssigen Diego Maradona gesetzt für das Viertelfinale gegen Deutschland am Samstag (ab 15.45 Uhr im t-online.de Live-Ticker). Lionel Messi, Carlos Tévez und Gonzalo Higuaín also, beziehungsweise nach den in Argentinien so liebevoll gepflegten Spitznamen: der Floh, der Apache und das Pfeifchen. 105 Tore haben sie für ihre Klubs in der abgelaufenen Saison zusammen geschossen und bereits sechs bei dieser WM - vier "el Pipita" Higuaín, zwei "el Apache" Tévez, nur "la Pulga" Messi ist bislang leer ausgegangen, aber dafür hat er schon vier Treffer aufgelegt. Kurzum, dass Argentinien mit vier Siegen souverän ins Viertelfinale marschiert ist, liegt eher nicht an unüberwindbaren Verteidigern oder sublimem Mittelfeldsspiel - auch wenn Kapitän Javier Mascherano dort für zwei grätscht, passt und organisiert.

Ein Blick auf das 3:1 im Achtelfinale gegen Mexiko. Der Gegner spielte im Kollektiv stärker, aber dann gab es, so illegal das daraus resultierende 1:0 auch war, die Genialität von Messi, durch die Viererkette hindurch die Lücke für Tévez zu sehen. Es gab Higuaíns Instinkt, mit dem er den Fehler von Ricardo Osorio ahnte, und seine Schuhsohle, unter der er den Ball zum 2:0 an Torwart Óscar Pérez vorbeizog. Und es gab Tévez’ unzähmbare Ernegie, die ihn aus knapp 30 Metern zum 3:0 einhämmern ließ. Jedes der Tore charakterisierte seinen Urheber, und ihre Verschiedenheit ist auch der Grund, warum Floh, Apache und Pfeifchen so gut zusammenpassen. Higuaín vor dem Tor, Messi aus dem Raum, Tévez überall Lücken reißend. Ihre Rückennummern: Neun, Zehn und Elf. Wie in guten alten Zeiten.

So stimmig wirkt das Trio, dass man meinen könnte, es wäre seit Jahren auf den großen Anlass eingespielt worden. Das Gegenteil ist der Fall. Tatsächlich war einer bis vor kurzem nur Ersatz, der zweite kein Nationalspieler, und der Dritte wollte keiner mehr sein.

Diego folgt seinem Bauchgefühl bis nach Barcelona

Wenn Argentinien wirklich Weltmeister werden sollte, dann wird das Epos darüber womöglich ab einem Märztag dieses Jahres erzählt werden. Es war der Tag, an dem Diego Maradona den Hochmut des Jahrhunderfußballers und die Unsicherheit des Trainernovizen ablegte, seinem Gefühl folgte und ein Flugzeug nach Barcelona bestieg. Voraus gegangen war ein alarmierender Anruf von Messi, dem besten Fußballer der Welt: So gehe es nicht weiter. Er könne nicht mehr ertragen, dass seine Familie unter den ständigen Verdächtigungen von Medien und Fans leide, er spiele deshalb eine Klasse schlechter im Nationaldress, weil ihm Argentinien egal sei. Maradona hatte es zuvor stets verpasst, Messi zu schützen, jetzt handelte er. "Ich habe die Reise gemacht und ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen machen soll", bestätigte er dieser Tage bei einer seiner Audienzen in Pretoria. (Zum Video: Weltfußballer Lionel Messi)

Die Geste war es, die zählte, aber bei diesem Termin wurde wohl auch schon über die Umstellung auf drei Angreifer diskutiert. Noch Anfang März beim Testspiel in Deutschland spielte Argentinien mit zwei Stürmern, man gewann 1:0, aber verteidigte zuvorderst, wie in der mühsamen Qualifikation. Wie in dieser verlor sich Messi in der ungewohnten Rolle als einer von zwei Angreifern. Beim FC Barcelona gibt es neben ihm drei weitere.

Higuain lange ignoriert

Das Tor an jenem Abend, immerhin, schoss Higuaín, in seinem erst dritten Länderspiel. Er verdrängte damit endgültig alle anderen Sturmkandidaten, dabei war er bis zu den letzten beiden Ausscheidungsrunden in Südamerika nicht einmal Nationalspieler gewesen. Maradona hatte ihn trotz zuverlässiger Torproduktion bei Real Madrid lange ignoriert - eine Frage des Geschmacks, so sagte er. Doch so schwerlich Maradona eine Meinung ändert, so unbeugsam steht er dann hinter seinen Volten. Inzwischen bestehen für ihn keinerlei Zweifel mehr, dass Higuaín der legitime Nachfolger von Gabriel Batistuta ist, dem letzten Argentinier mit einem WM-Hattrick, ehe der 22-Jährige gegen Südkorea nachzog.

Spieler des einfachen Volkes: Maradona und Tevez

Von Tévez hingegen hatte Maradona schon immer eine hohe Meinung, instinktiv, denn die beiden ähneln sich in der Biographie. Messi kommt aus der Provinz in Rosario, Higuaín als Sohn des Ex-Profis Jorge Pipa Higuaín aus etwas besserer Gesellschaft, er spielte in Buenos Aires beim bürgerlichen River Plate. Tévez dagegen ist einer wie Maradona, er kommt von ganz unten, spielte bei Boca Juniors und trifft das Gemüt des einfachen Volkes. Doch nach dem Aufstieg von Higuaín war er plötzlich nur noch Reserve, bis sich "bei Maradona der Kopf öffnete". So hat es Tévez ausgedrückt, er meinte die Umstellung auf drei Stürmer.

"Die Mannschaft hat sich geändert, die Spieler und Maradona auch" - diplomatischer formuliert es Messi aus. Der Floh, der Apache und das Pfeifchen haben sich gefunden, weil sie sich endlich finden durften, und jetzt sind sie die gefährlichsten unter den 23 Raubtieren ihres Trainerdompteurs. Sollte Deutschland morgen an ihnen scheitern, gilt es wohl erneut, sich an Edmund Stoiber halten. Der wies nämlich schon 2002 darauf hin: Gegen solche Sturmtrios zu verlieren, "das ist zwar bitter, aber nicht so bitter".


Jonny Giovanni  

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Kommentare (2)

zum Forum

Thema: "WM-Kolumne: Argentiniens teuflisches Angriffstrio"

rbf schrieb: am 1. Juli 2010 um 21:22:25
(0) (0) Floh, Apache, Pfeifchen
Wohl dem der solche Stürmer aufbieten kann, lt. Rehagel gibt's in GR keine Bäume worauf sie wachsen. M.E. werden
sie das Spiel gegen D entscheiden, drücke zwar den jungen dt. Team die Daumen, glaube aber nicht an einen Sieg. Zu Matthäus, Maradona könnte man noch Rooney gesellen, hätte noch einige andere mehr. Fuballerisch top und über den Rest deckt man lieber den Mantel des Schweigens !!!
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maria schrieb: am 1. Juli 2010 um 20:52:06
(0) (0) argentinien
schon eine komische truppe aber ! Ich mag sie ! wenn nicht spanien ...dann argentinien ...ups sorry

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