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WM 2010: Was aus den afrikanischen Favoriten geworden ist

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Was aus den afrikanischen Favoriten geworden ist

10.06.2010, 09:38 Uhr | t-online.de

Südafrikas Fans werden wohl bei der WM nicht viel zu lachen haben. (Foto: imago)

Von Jonny Giovanni

Wären Fußball-Experten vor 20 Jahren nach dem wahrscheinlichen WM-Favoriten 2010 gefragt worden – sie hätten wohl Kamerun genannt. Oder Nigeria. Jedenfalls eine Mannschaft vom Schwarzen Kontinent. Man schrieb 1990, Kamerun mit Roger Milla hatte im WM-Eröffnungsspiel den Titelverteidiger Argentinien geschlagen, spielerisch das Viertelfinale erreicht und dort nur unglücklich in der Verlängerung gegen England den Kürzeren gezogen. (Video: Kameruns Weg zur WM)

Pelé prophezeite einen afrikanischen Weltmeister

Fachwelt und Fans waren verzaubert und sich weitgehend einig: Legen die Afrikaner taktisch und organisatorisch nur noch ein bisschen zu, sind sie bald nicht mehr zu stoppen. Noch vor der Jahrtausendwende werde es einen afrikanischen Weltmeister geben, prophezeite der große Pelé. Damit ist es bekanntlich nichts geworden. Mehr noch: Bis heute ist keine afrikanische Mannschaft weiter gekommen als Kamerun 1990. Allein dem Senegal gelang es 2002 noch einmal, das Viertelfinale zu erreichen.

Keine afrikanischen Favoriten weit und breit

Nun findet die Weltmeisterschaft erstmals auf afrikanischem Boden statt, und kein Mensch zählt Kamerun oder Nigeria zu den Favoriten. Ghana auch nicht, Algerien nicht und Gastgeber Südafrika schon gar nicht. Allenfalls der Elfenbeinküste durfte ursprünglich seriös das Viertelfinale zugetraut werden – bis zur Auslosung. Die ergab, dass die Ivorer in einer Gruppe mit Brasilien und Portugal zumindest den zweiten Platz erobern müssen, um dann nach aller Wahrscheinlichkeit im Achtelfinale noch Topfavorit Spanien vorgesetzt zu bekommen. Selbst mit einem gesunden Didier Drogba wäre das eine herkulische Aufgabe.

Niveau beim Afrika Cup war erschreckend schlecht

Es ist schon eine Tragödie: Da findet die WM nach zahllosen Debatten und unter vielerlei Ängsten endlich einmal auf diesem fußballverrückten Kontinent statt – aber der afrikanische Fußball steht so schlecht da wie seit 1990 nicht mehr. Wer das nicht glaubt, hat vom Afrika Cup vor ein paar Monaten wohl nichts gesehen. Dessen Niveau war über weite Strecken schlichtweg erbärmlich. Und wer das nicht glaubt, weiß vielleicht auch nicht, dass Kamerun immer noch keinen besseren Verteidiger hat als den Ex-Kölner Rigobert Song, dass Algerien um den Wolfsburger Ersatzspieler Karim Ziani kreist, dass Ghana mit dem Leverkusener Bankdrücker Hans Sarpei aufläuft – um das ganze Dilemma einmal mit Beispielen aus der Bundesliga zu illustrieren.

Nigeria hatte in den 1990ern die talentierteste Mannschaft

Tatsächlich lag Pelé wenigstens insofern richtig, als die letzten beiden Turniere vor der Jahrtausendwende noch die größte Wahrscheinlichkeit eines afrikanischen Triumphes mit sich brachten – das Nigeria jener Jahre ist bis heute die talentierteste afrikanische Mannschaft, die sich je auf der Weltmesse des Fußballs präsentierte. Zweimal war jedoch im Achtelfinale Schluss, 1994 wurde der schon fast sichere Sieg gegen Italien noch vertändelt, 1998 der Gegner Dänemark schlichtweg unterschätzt. Zwischendrin zeigte Nigeria 1996 mit dem Olympiasieg seine Klasse. Gleiches gelang Kamerun im Jahr 2000.

Chaotisches Management der Nationalteams

Dass die Afrikaner bei Olympia, wo bis auf drei Spieler alle unter 23 sein müssen, so viel besser abschneiden, ist kein Zufall, sondern ein deutliches Zeichen dafür, dass mit wachsendem Alter immer mehr schief läuft. Ein Grund ist sicher das oft chaotische Management der Nationalteams, gerade im Vergleich mit dem generalstabsmäßigen Vorgehen von Europäern und Südamerikanern. Und ja, das ewige Torwartproblem fällt bei den Senioren auch noch mehr ins Gewicht.  Doch darüber hinaus fehlt es den afrikanischen Teams inzwischen häufig an einer klaren Identität. Gerade die Teams mit Stars aus den europäischen Ligen haben ihre Unbedarftheit und ihren Offensivdrang verloren. Dabei waren die vermeintlichen Schwächen auch Stärken. In ihrem Versuch, den Europäern gleichzukommen, sind viele afrikanische Teams zu schlechten Kopien geworden – welche für ihre Gegner aus dem Norden umso leichter auszurechnen sind.

Zarter Optimismus beim WM-Gastgeber

Besonders bitter ist die Lage für Gastgeber Südafrika, der zu seiner großen Party dummerweise einen mäßig talentierten Jahrgang von Fußballprofis erwischt hat. Die Scham über die nach dem Confed Cup 2009 monatelang sieglose Mannschaft ist nach besseren Ergebnissen jedoch wieder einem zarten Optimismus gewichen, zuletzt wurde WM-Teilnehmer Dänemark geschlagen. Die größte Hoffnung der Fans vor dem Eröffnungsspiel gegen Mexiko richtet sich freilich nicht auf die stabile Defensive oder die disziplinierte Ordnung unter Coach Parreira, sondern auf Trompeten aus Blech oder Kunststoff – die Vuvuzelas. Die europäischen und südamerikanischen Stars seien doch schon letztes Jahr beim Confed-Cup von dem Getröte so genervt gewesen, dass sie bei verschärfter WM-Dezibelzahl bestimmt jede Konzentration verlieren werden, lautet der lächelnd vorgetragene Plan.

Bitte spielt echten afrikanischen Fußball!

Bei der Heim-WM eines ganzen Kontinents sei den Afrikanern jeder Vorteil gegönnt. Vor allem aber möchte man sich wünschen, dass sie nicht zu viel kalkulieren, taktieren und spekulieren. Dass sie echten afrikanischen Fußball spielen, so wie Kamerun 1990, als die Fußball-Welt eine Ära nahen sah, die immer noch nicht begonnen hat.


Quelle: t-online.de

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Kommentare (2)

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Thema: "WM 2010: Was aus den afrikanischen Favoriten geworden ist"

Frei schrieb: am 10. Juni 2010 um 17:55:22
(0) (0) Parallelen
Die Entwicklung des afrikanischen Fußballs erinnert mich an die Entwicklung Afrikas insgesamt - mit den Europäern wurde alles
schlecht und aus dem Ruder geworfen.
mehr Kommentar melden

Vivaldi schrieb: am 10. Juni 2010 um 13:24:05
(0) (0) Und den Titel holt ?
Den Titel gewinnt natürlich Neuseeland, wer denn sonst. Die können rennen, schwimmen, tauchen und im sind Rugby
sowieso fast unschlagbar. Eigentlich können die anderen alle schon wieder nach Hause fahren und den Pott gleich freiwillig hergeben.
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