07.09.2009, 13:53 Uhr
Die Mannschaft probt den Aufstand gegen Raymond Domenech. (Foto: AFP)Im französischen Fußball tickt die Krisen-Bombe. Kurz vor dem Schicksalsspiel der WM-Qualifikation am Mittwoch in Serbien wurden die Fans der Equipe Tricolore gleich von zwei Hiobsbotschaften geschockt. Die erste: Bayern-Star Franck Ribéry ist wieder angeschlagen und sein Einsatz in Belgrad fraglich. Zudem probten die Spieler angeblich den Aufstand gegen den umstrittenen Nationaltrainer Raymond Domenech.
"Wir haben keinen Spielstil, keine Ideen, keine Identität. Das geht nicht", soll Thierry Henry Domenech bei einer Mannschaftsbesprechung angefahren haben. Die vermeintliche Enthüllung der Zeitung "Le Parisien" dementierte der Kapitän später jedoch.
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"Es ist nichts am Freitagabend passiert. Es war eine konstruktive Diskussion zwischen den Spielern und dem Trainer - wie immer. Ich habe nie die Qualitäten des Trainers infrage gestellt. Es hat nie einen Streit zwischen uns gegeben", sagte der Kapitän dem TV-Sender TF1.
Um die letzte kleine Chance auf Platz eins in der Gruppe 7 zu wahren, muss Frankreich in Belgrad unbedingt gewinnen. In dem Fall würde man den Abstand auf den Spitzenreiter zwei Spieltage vor Qualifikationsende auf einen Zähler reduzieren. Die bislang sehr solide wirkenden Serben müssten dann im Oktober gegen Rumänien oder in Litauen Punkte lassen und Frankreich beide Heimspiele gegen die Faröer-Inseln und Österreich gewinnen. "Unsere Moral ist angeschlagen", räumt Henry ein. Der Barcelona-Stürmer beteuert aber: "Wir fliegen nach Serbien, um zu gewinnen, glaubt mir". In Südafrika wolle man auf jeden Fall dabei sein. Notfalls werde man die Relegation durchmachen und "durch die Hintertür" zur WM fahren.
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Die Franzosen spielten am Samstag gegen Rumänien dann zwar gut, vergaben aber zu viele Torchancen. Und dann bekam Ribéry auch noch einen Schlag auf die Wade. "Ein harter Schlag", kommentierte die Sportzeitung "L'Equipe" das Verletzungspech des 26-Jährigen. Für die Zeitung "Ouest-France" war der Weltmeister von 1998 "noch nie in solchen Schwierigkeiten".
In Frankreich fragt man sich nun, wie Domenech, Henry & Co. die Krise meistern werden. "Die Scheidung zwischen Trainer und Spielern ist vollzogen", versichert "Le Parisien". Die Tage des 57-jährigen Trainers scheinen in der Tat gezählt. Am Montag wurde er mit Kritik überhäuft. "Kann man denn die unglückselige Arbeit des Trainers übersehen?", fragt das Blatt "Le Monde". Der frühere Nationalspieler Robert Pires hatte ebenfalls keine Gnade: "Domenech ist unfähig", sagte er. "Eine Niederlage in Belgrad kann für den Trainer fatale Folgen haben", schreibt unterdessen "Liberation".
Nach Meinung des Magazins "France Football" hapert es aber nicht nur am Trainer. Das Team schieße zu wenige Tore, habe keine Seele und keinen Leitwolf. "Ribéry oder (Yoann) Gourcuff können einem Zidane das Wasser nicht reichen", stellt das Blatt wehmütig fest. Und schließlich deutet das Magazin mit unbequemen Fragen an, dass Domenech mit seiner Kritik der Lustlosigkeit vielleicht doch nicht ganz unrecht hat. Sind die Spieler noch Patrioten? Haben sie noch andere Werte als jene des Geldes und des Starsystems? "Diese Fragen zu stellen ist in Frankreich politisch sehr inkorrekt. Wahrscheinlich weil man alle Antworten kennt", so "France Football".
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Quelle: sid
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