20.11.2009, 17:06 Uhr
Thierry Henry und die Hand Gottes. (Foto: afp)Selbst der Sünder plädiert für ein Wiederholungsspiel, doch die FIFA pocht auf ihre Regeln. Das 1:1 im zweiten Playoff-Spiel zwischen Frankreich und Irland wird auch so gewertet, trotz des Handspiels von Thierry Henry unmittelbar vor dem Ausgleichstreffer durch William Gallas.
Der Fußball-Weltverband lehnte einen entsprechenden Antrag der Iren ab. Dank des 1:0 der Franzosen im Hinspiel, fährt der Weltmeister von 1998 zur WM nach Südafrika.
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"Natürlich wäre eine Wiederholung des Spiels die fairste Lösung", schrieb Henry in einer Erklärung, die der britische Sender Sky news veröffentlichte. Dies hatte die FIFA aber bereits zuvor abgelehnt. "In den Fußball-Regeln ist eindeutig festgelegt, dass Entscheidungen während des Spiels vom Schiedsrichter getroffen werden und dass diese Entscheidungen endgültig sind", schrieb der Verband.
Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift, heißt das im Klartext - oder eben in diesem Fall gerade nicht. Und weil der schwedische Unparteische Martin Hansson am Mittwoch den Franzosen das 1:1 gegen die Iren anerkannt hatte, obwohl Vorlagengeber Henry den Ball klar mit der Hand führte, fliegt die Grande Nation nach Südafrika. Der Übeltäter selbst zeigt Reue: "Natürlich schäme ich mich für die Art und Weise, wie wir gewonnen haben. Es tut mir für die Iren Leid, die es definitiv verdienten, in Südafrika dabei zu sein."
Dass es Handspiel war, hatte Henry schon nach dem Schlusspfiff eingeräumt. Der Stürmer des FC Barcelona verteidigte aber nun sein Verhalten in der 103. Minute im Stade de France: "Ich bin kein Betrüger und war es nie. Es war eine instinktive Reaktion, als der Ball extrem schnell in den überfüllten Strafraum kam." Frankreichs Trainer Raymond Domenech versteht die ganze Aufregung ohnehin nicht. Das Tor sei zwar durch einen Fehler des Schiedsrichters zustande gekommen. Dies sei aber eine Tatsachenentscheidung gewesen, "und keine Mogelei", sagte er der Zeitung "L'Express". "Ich verstehe deshalb nicht, wieso wir uns für irgendetwas entschuldigen müssen."
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Irlands Trainer Giovanni Trapattoni spach indes von "Mord". "Ich möchte mal wissen, was ich Blatter getan habe?", sagte der Italiener der "La Gazzetta dello Sport" Richtung FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. "Ich glaube, jetzt ist der Moment gekommen, um grünes Licht für den Zeitlupenbeweis bei solch extremen Fällen zu geben. In nur 30 Sekunden könnte man derart kolossale Ungerechtigkeiten vermeiden."
Henry ist bei weitem nicht der erste, der eine Neu-Ansetzung als die beste Lösung ansieht. Am Freitag reihte sich die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in die Reihe der Kritiker ein. "Die FIFA muss ihre Regeln beachten", sagte Lagarde dem Sender RTL, aber "wenn diese Regeln schlecht sind, dann muss man sie eben ändern". Präsident Nicolas Sarkozy hatte zuvor noch zu Zurückhaltung gemahnt. Innere Angelegenheiten der FIFA seien nicht Sache der Regierung, meinte auch Premier François Fillon.
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In Irland ist der Frust über die verpasste WM-Qualifikation indes Verschwörungstheorien gewichen. Für Robbie Keane im Mittelpunkt: der französische UEFA-Präsident Michel Platini. "Sie klatschen sich jetzt alle in die Hände", klagte der irische Kapitän. "Platini sitzt da oben im Telefonkontakt zu Sepp Blatter, wahrscheinlich texten sie sich gegenseitig, wie erfreut sie über das Ergebnis sind."
So richtig freuen kann sich bei den Franzosen aber keiner, im Gegenteil: Von den Medien und im Internet erntet der Weltmeister von 1998 nur Hohn und Spott, vor allem am Denkmal Henry wird gekratzt. Manche glauben schon, dass der Franzose nun viele Werbe-Millionen verlieren könnte. "Das Idol Henry ist nun ein Geächteter", schrieb die englische Zeitung "Daily Mail", der "Daily Mirror" bezeichnete den ehemaligen Arsenal-Profi gar als "Schande einer Nation".
Auch Trainer Domenech steht weiter in der Kritik. Laut einer Umfrage von "Le Parisien" wollen trotz erfolgreicher Qualifikation nur 39 Prozent der Franzosen Domenech in Südafrika auf der Bank sehen. Der ehemalige Nationalspieler Bixente Lizarazu warf dem Trainer vor, das Talent der Bleus zu verschwenden. Dem Magazin "Parisien" sagte der frühere Bayern-Profi: "Ihn interessiert nur die Form. Er weiß, dass er in der Sachdebatte völlig daneben liegt." Mit oder trotz Domenech hatten die Franzosen 2006 in Deutschland das Finale erreicht.
Quelle: dpa
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