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Weltmeisterschaftsbälle - Eine einzigartige Serie

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WM-Bälle - aufgespürt und für die Ewigkeit festgehalten

08.06.2010, 11:33 Uhr | t-online.de

Aus deutscher Sicht ganz besondere Bälle: Die Spielgeräte von 1954 (links) und '74 (rechts). (Foto: Jens Heilmann)

Von Sebastian Schlichting
Erich Linemayr und seine Frau hatten sich viel Mühe gegeben. Sie hatten für den Mann aus Deutschland Apfelstrudel gebacken und Kaffee gekocht. Nun saßen der frühere österreichische Top-Schiedsrichter und Gattin in ihren Ohrensesseln und schauten zu, was in ihrem Wohnzimmer in Linz vor sich ging: Der deutsche Gast, Fotograf Jens Heilmann, brachte Stunden damit zu, zwei Bälle zu fotografieren. Aus verschiedenen Blickwinkeln, immer wieder. Es waren nicht beliebige Bälle. Sondern je einer von den Weltmeisterschaften 1974 und 1978. Da hatte der heute 77 Jahre alte Linemayr gepfiffen und die Spielgeräte zur Erinnerung mitgenommen.

Ein Glücksfall für Jens Heilmann, der durch den Besuch in Linz seinem Ziel wieder ein Stück näher gekommen war: Der 44-Jährige wollte einen gespielten Ball von jeder WM seit der Premiere 1930 fotografieren. Diese fixe Idee hatte er 2007 – sie sollte ihn über drei Jahre begleiten. Etwa 30.000 mit dem Auto zurückgelegte Kilometer, unzählige Telefonate und Mails sowie diverse Flugreisen später, ist er am Ziel. Heilmanns Ball-Reise ist beendet und nun als Kunstedition zu bestellen.

"Durch die Reihung werden die Dinge interessant"

Heilmann sagt von sich, dass er kein großer Fußball-Fan ist. Er hat bis ins junge Erwachsenen-Alter bei seinem Heimatklub TSV Hechendorf in Bayern gespielt. Irgendwann ließ die Begeisterung nach, doch Fußbälle haben ihn auch später fasziniert. Beruflich fotografiert er gerne Serien. "Durch die Reihung werden die Dinge interessant", erklärt er. Heilmann hat Kühe aufgenommen, Hunde, klassische Autos, sogar Suppenteller. Von oben, immer mit verschiedenen Suppen drin. Und dann hat er sich gefragt, ob schon jemand alle WM-Bälle aufgenommen hat. Eine erste Recherche ergab schnell: nein! Einzelne Fotos gab es, meist in Vitrinen, was der Qualität nicht eben zuträglich war. Oder anders ausgedrückt: "Die Fotos waren grottig", sagt Heilmann.

Schwierige Suche nach dem Ball von 1934

Sein Ehrgeiz war geweckt. Vielleicht hätte er es gelassen, wenn er gewusst hätte, was da auf ihn zukommt. Vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall wurde schnell klar, dass es ungleich schwerer ist, einen Ball von der WM 1934 zu fotografieren als einen Teller mit Suppe. Wobei, das Foto an sich war nicht das Problem. Aber finden Sie erst einmal einen Fußball, der vor über 70 Jahren benutzt wurde, zu einer Zeit als noch nicht 15 Bälle pro WM-Begegnung verwendet wurden und Fußball noch kein gesellschaftliches Großereignis war.

Zunächst schneller Erfolg

Zu Anfang schien Heilmanns Projekt überschaubar zu sein. Nicht wie ein Trainingsspiel, aber wie ein Pokalspiel für einen Bundesligisten in der Frühphase des Wettbewerbs. Nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwierig. Dank seiner Beharrlichkeit bekam Heilmann von Adidas die Erlaubnis, WM-Bälle zu fotografieren, auch der Deutsche Fußball-Bund spielte mit. Recht schnell waren die Weltturniere seit 1970 und die 54er-WM abgearbeitet. "Ich dachte, ich bin bald am Ziel", erinnert sich Heilmann, der auch in England und Italien fündig wurde. Er sollte sich so richtig geirrt haben. 

Zweifel an der Echtheit der Bälle

Der Mann, der ihm das brutal vor Augen führte, heißt René Sopp. Ein Sammler aus Leipzig. Er glaube nicht, dass alles WM-Bälle seien, sagte Sopp im Herbst 2009. Die Schrift auf dem Ball, die Größe. Und das 58er-Exemplar würde er eher ins Jahr 1966 verorten. Sopps ernüchterndes Fazit: Experten würden Heilmanns Bälle nie und nimmer alle als echt anerkennen. Zack, das saß. So muss sich ein Gegentor in der 88. Minute anfühlen. "Ich hatte die Echtheit nie hinterfragt, sondern mich drauf verlassen, dass schon alles stimmen wird", sagt Heilmann heute. Frei nach dem Motto: Wenn man etwas glauben will, glaubt man es auch.  

70er-Ball in einer Kiste in Mexiko

Über zwei Jahre Arbeit vergebens? Das Projekt am Ende? Nein, Heilmann sammelte sich und machte weiter. Er war nun, wie er selbst sagt, endgültig "besessen davon, es zu schaffen". Sammler Sopp half mit Kontakten, Heilmann reiste um die Welt. Seine Besessenheit führte ihn bis nach Mexiko, wo er mit An- und Abreise eine Woche investierte, um den 70er-Ball vor die Linse zu bekommen. Er hatte damit gerechnet, ihn in einer Schrankwand, in exponierter Position, vielleicht sogar angeleuchtet, zu sehen. Und wo war das gute Stück? In einer Kiste im Büro des Schwagers des Besitzers...Kein Wunder, dass es so schwer war, manche Spielgeräte ausfindig zu machen.

Zwei New-York-Reisen für 300 Meter

Verglichen mit dem Trip nach Mexiko waren die Reisen in Museen nach Basel, Preston (England) oder Florenz wahre Erholungs-Ausflüge. Und manchmal hätte er sich viel Arbeit erspart, wenn er einen Hinweis früher bekommen hätte: So flog Heilmann nach New York in die "National Soccer Hall", um den Ball von 1950 zu dokumentieren. Viel später war er ganz in der Nähe, nur rund 300 Meter entfernt, weil dort jemand eine Kugel der WM 1994 hatte.

Es ist vollbracht

Auf seinen Reisen war er immer schwer bepackt. Blitzgeneratoren, Lampen, Stative, da kommen schnell 100 Kilo Gepäck zusammen. Heilmann wollte eben nicht einfach einen Ball "knipsen" wie Urlauber Blumen, Kirchen oder Berge im Dutzend aufnehmen. Er wollte mit jedem Bild ein kleines Kunstwerk schaffen. Die gesammelten Ball-Werke liegen nun vor, von 1930 bis in die Gegenwart – eine beeindruckende Reise durch die Geschichte des Fußballs. Und ganz sicher wird sich auch der frühere Schiedsrichter Erich Linemayr in Linz freuen, wenn er sieht, dass seine WM-Bälle dabei sind.   

Alles zu den WM-Bällen unter: www.dieweltmeisterschaftsbaelle.de

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Quelle: t-online.de

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