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Nationalmannschaft: Gegen die Elfenbeinküste zurück in den Alltag

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Zurück in den Alltag

15.11.2009, 15:01 Uhr

Jogi Löw muss mit seinem Team den Weg zurück in den Alltag finden. (Foto: imago) Jogi Löw muss mit seinem Team den Weg zurück in den Alltag finden. (Foto: imago)Nach dem bewegenden Abschied von Robert Enke hat Bundestrainer Joachim Löw mit dem Nationalteam den schwierigen Versuch gestartet, in den Fußball-Alltag zurückzukehren. DFB-Kapitän Michael Ballack hatte auf einem schweren Gang gemeinsam mit Per Mertesacker auf dem Rasen der Arena von Hannover einen Kranz vor dem aufgebahrten Sarg des verstorbenen Kollegen niedergelegt. Direkt von der Trauerfeier reiste die Nationalelf weiter nach Düsseldorf, wo sich der Vize-Europameister auf das letzte Länderspiel des Jahres gegen die Elfenbeinküste vorbereitet.

Es wird für die Spieler, Trainer und Funktionäre ein Spagat ohne bisheriges Beispiel. Löw verzichtet auf Stürmer Miroslav Klose, dessen Zwillingssöhne Noah und Luan an Schweinegrippe erkrankt sind.

Video Löw: "Dürfen uns keine Vorwürfe machen"
Video Bierhoff: "Lächeln und Hoffnung finden"
Video "Hannovers Balitsch: "Robert war nicht allein"

Die außergewöhnlichste Mission seit 2006

Schon für Sonntagnachmittag hatte Löw im Hilton-Hotel eine individuelle Fitness-Einheit angesetzt, ein erster Schritt zu vertrauten und gewohnten Abläufen. An diesem Montag wird die Nationalelf dann erstmals nach dem Selbstmord von Robert Enke und dem daraufhin vom DFB abgesagten Länderspiel gegen Chile wieder auf dem Rasen üben. Für Löw, der die Abschiedsfeier für den angesehenen und beliebten Enke an der Seite von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann miterlebte, wird das 45. Länderspiel als Bundestrainer die außergewöhnlichste Mission seit dem Amtsantritt im Sommer 2006.

TrauerfeierBewegender Abschied von Robert Enke
Dirk EnkeDer Vater beschreibt Roberts Ängste von Jugend an

"Es redet eigentlich keiner"

"Es war heute mit der Trauerfeier noch einmal ein sehr emotionaler Moment. Im Bus herrschte noch eine große Betroffenheit und Stille. Es redet eigentlich keiner", berichtete Teammanager Oliver Bierhoff. Die Spieler hätten sich unbedingt von ihrem Torwart persönlich verabschieden wollen: "Die Möglichkeit, noch einmal einen Kranz niederzulegen am Sarg, war ein symbolischer Moment für die Mannschaft." Auf Spieler, Trainer und Betreuer kommt in den nächsten Tagen ein Spagat ohne bisheriges Beispiel zu. "Jetzt müssen wir versuchen, dass der Anstoß zum Spiel am Mittwoch auch wieder ein Anstoß ist in den Fußball-Alltag", betonte Bierhoff.

Klose muss zu Hause bleiben

"Wir haben einen Freund verloren", hatte Löw erklärt. Auf der anderen - der sportlichen Seite - steht der Bundestrainer am Mittwoch in Gelsenkirchen gegen WM-Teilnehmer Elfenbeinküste vor dem vorletzten Test, bevor er seinen Kader für die Weltmeisterschaft im Sommer nächsten Jahres in Südafrika berufen muss. Bei Klose gebe es zwar keinerlei Symptome, dass er sich bei seinen Kindern angesteckt habe, erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger bei der Ankunft des Teams in Düsseldorf. Aber um jedes Restrisiko einer Ansteckungsgefahr auszuschließen, habe Bundestrainer Löw entschieden, dass Klose zu Hause bleibe.

Zwanziger: "Das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen"

Die Trauer über den Tod von Torhüter Enke ist bei der DFB- Auswahl nach wie vor groß. "Es wird noch lange anhalten, dieser Zustand der stillen Trauer über diesen unbegreiflichen, viel zu frühen Tod", heißt es in einer Traueranzeige der Nationalmannschaft, die am Wochenende in vielen Zeitungen erschien. Noch würden die Bilder von der Tragödie um Robert Enke vor aller Augen stehen, sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger in seiner Trauerrede im Stadion von Hannover. Zwanziger sagte aber auch: "Diese Bilder verändern sich. Sie werden mal stärker und verblassen. Die Zeit wird vergehen. Das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen."

Anpfiff soll Schritt nach vorn sein

Der Neuanfang für das DFB-Team heißt Elfenbeinküste, auch wenn beim Spiel in Gelsenkirchen die Ehrungen für den verstorbenen Enke nochmals in den Vordergrund rücken werden. Mit einem Film und einer Schweigeminute wird der DFB Enke gedenken; die Akteure laufen mit Trauerflor auf. Der Anpfiff der Partie soll dann "für uns alle ein Schritt nach vorn sein", erklärte Bierhoff. Der Manager wertete die große Anteilnahme im Nationalteam - ehemalige DFB-Gefährten wie Torsten Frings, Christoph Metzelder und Jens Lehmann nahmen in Hannover mit Abschied von Enke - auch als ein "Zeichen für den Zusammenhalt" und "die Freundschaft unter den Spielern".

Eventuell ein Anruf von Enkes Vater

Vielleicht bekommt der Bundestrainer noch einen Anruf von Dirk Enke, Roberts Vater. Der hatte nach Löws Telefonnummer gefragt, "weil er, der Vater, ihn, den Bundestrainer, von möglichen Schuldgefühlen befreien möchte", wie "Der Spiegel" berichtete. Die jüngste Auswahl-Nichtnominierung habe bei Enkes Selbstmord keine Rolle gespielt: "Ein wichtiges Anliegen ist mir, Herrn Löw von der Frage zu entlasten: Was wäre, wenn ich ihn nominiert hätte? Ich glaube, dass Robert das in Ordnung fand, weil er neun Wochen raus war", sagte Dirk Enke dem Nachrichtenmagazin.

Wiese und Neuer könnten sich das Spiel teilen

Pfarrer Heinrich Plochg machte mit seinen Worten beim Enke-Abschied dessen Kollegen bei Hannover 96 und im Nationalteam deutlich, dass die nächsten Spiele und Trainingseinheiten nicht leicht sein werden, ganz besonders für den Spieler, "der zwischen den Pfosten steht". Ursprünglich hatte Löw dem Schalker Manuel Neuer einen Einsatz in seinem Heimstadion in Aussicht gestellt. Gut möglich, dass er sich die schwierige Aufgabe mit dem Bremer Tim Wiese für jeweils eine Halbzeit teilen wird.


Quelle: dpa

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