
vom Sat Feb 06 11:50:33 CET 2010 | Julian Moering
Ein Kommentar von Julian Moering
Einst schienen sie dicke Freunde: Jogi Löw (li.) und Theo Zwanziger. (Foto: imago)Die Ausgangslage schien klar: Kurz vor der WM treffen sich Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Boss Theo Zwanziger in freundschaftlicher Atmosphäre um das zu vollziehen, was sowieso schon per Handschlag besiegelt ist - die Vertragsverlängerung der sportlichen Führung der Nationalmannschaft, der auch Bierhoff, Flick und Köpke angehören. Danach werden noch Hände geschüttelt, es wird in die Kamera gelächelt und noch einmal deutlich gemacht, dass alle am gleichen Strang ziehen.
Dass die Verhandlungen nach nur fünf Minuten ergebnislos auf die Zeit nach der WM vertagt wurden, kam überraschend. Kein Lächeln, kein Händeschütteln. Die Fronten zwischen Zwanziger und Löw haben sich genau vier Monate vor dem Abflug des DFB-Teams nach Johannesburg verhärtet.
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Indirekt bezichtigt Löw den Verbands-Boss gar der Lüge. Es habe nie einen Handschlagvertrag gegeben, wie Zwanziger noch vor Weihnachten verkündete. Ob Fakt oder nicht – seinem Vorgesetzten öffentlich zu unterstellen, die Unwahrheit gesagt zu haben, ist keine Lappalie mehr. Unter normalen Umständen hätte der Angestellte sofort seine Papiere bekommen. Nun liegen keine normalen Umstände vor. Die WM steht vor der Tür, da schmeißt man nicht eben mal den Hauptverantwortlichen raus. Zwanziger versucht sich indes in besänftigender Rhetorik. Man wolle immer noch verlängern, Löw bleibe erster Ansprechpartner. Auch die Pressekonferenz zur offiziellen Beilegung des Streits ist wohl kaum mehr als ein Versuch, das Thema für den Moment kleinzureden, um die Vorbereitung auf die WM nicht noch mehr zu stören.
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Doch der große Graben ist gezogen. Auf der einen Seite der DFB als Dachverband, auf der anderen Seite sein Aushängeschild, die Nationalmannschaft. Und das ist das eigentlich Ärgerliche an den Geschehnissen. Die fraglos positive Entwicklung des deutschen Fußballs der letzten Jahre ging augenscheinlich einher mit einer wachsenden Annäherung zwischen DFB und der sportlichen Führung der Nationalmannschaft, bis hin zur scheinbar perfekten Einheit. Die Situation vor den Vertragsgesprächen war simpel: Ein erfolgreicher Bundestrainer möchte seine Arbeit im Kreise seiner Vertrauten fortsetzen. Unter Freunden kein Problem, doch dass es nicht einmal zu Verhandlungen kam, zeigt, wie es um die Männerfreundschaft tatsächlich bestellt ist. Dass die Öffentlichkeit sie trotzdem die ganze Zeit als Freunde wahrgenommen hat, deutet auf jede Menge schauspielerisches Talent hin. Der Fan fühlt sich getäuscht.
Am Ende bringen die Machtspielchen nur Verlierer hervor. Löw und Bierhoff stehen als Raffzähne da, die den Hals nicht voll genug bekommen können. Von Zwanziger, der sonst gerne den lieben Onkel mimt, bleibt das Bild des kompromisslosen Funktionärs, der keine Zugeständnisse macht. Ob Löw zu Beginn der Qualifikation zur EM 2012 in Polen und der Ukraine noch Bundestrainer sein wird, darf derzeit bezweifelt werden. Übrig bleibt jede Menge verbrannte Erde und die Erkenntnis, dass selbst der Fußball-Kaiser Beckenbauer nicht unfehlbar ist: Gute Freunde kann man eben doch trennen.
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Julian Moering
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