
18.06.2010, 14:25 Uhr | spiegel-online
Deutschlands bekannteste Spielerfrau: Schweinsteiger-Freundin Sarah Brandner (Foto. Imago)
Toupierte Mähne, Minikleid, teure Handtasche: Die Spielerfrau gehört zur WM wie Panini-Sammelbildchen. Ihr Rollenverständnis ist oft altmodisch, ihr Geschäftssinn dagegen häufig knallhart - und an der Sexualisierung des Sports arbeiten Fußballer und ihre Freundinnen gleichermaßen.
Als feststand, dass Michael Ballack an der Fußball-Weltmeisterschaft nicht teilnehmen kann, schrieb "Bild": "Seine Frau tröstete ihn nach der Schock-Diagnose." Das muss so nicht stimmen. Aber es ist eine schöne Vorstellung. Denn die Spielerfrau gehört zum Fußballstar wie Panini-Sammelbildchen zur WM. Sie hat eine Rolle zu verkörpern, die in den fünfziger Jahren ihre Blüte erlebte, als die Frau eines Apothekers noch ganz selbstverständlich die Frau Apotheker war. Sie soll sich fürsorglich um ihren Mann kümmern, und sie soll gut aussehen. Deshalb wird die Spielerfrau zu zwei Anlässen ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt: Wenn der Fußballheld schwächelt und wenn es wieder an der Zeit ist für ein großes Turnier.
Kaum reisten die Nationalspieler ins Trainingslager nach Sizilien, reisten auch die Freundinnen und Frauen ins Trainingslager nach Sizilien. Die "Welt am Sonntag" wusste zu berichten, dass sie sich dort "unter fachmännischer Anleitung" zum Yoga trafen. Nachmittags dann Planschen mit den Kindern im Pool. Bikinifigur ist Pflicht. Und ab Mitte Juni Südafrika. Mag sein, dass diese Frauen im täglichen Leben fleißige Studentinnen oder Moderatorinnen sind, aber nun beginnt für sie die Anhängsel-Zeit. Die Begabungen dafür sind unterschiedlich groß.
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Im Mittelpunkt wird bei der WM Sarah Brandner stehen, die Freundin von Bastian Schweinsteiger. Brandner, 21, macht in diesem Frühjahr ihr Abitur, sie will danach erst mal ein Jahr um die Welt reisen und dann Soziologie studieren. Seit sie 14 ist, arbeitet Brandner auch als Model. Sie ist 1,81 Meter groß und seit drei Jahren Schweinsteigers Freundin. Über keine Spielerfrau sind so viele Jahres- und Maßangaben in Umlauf wie über Brandner. In der Bikini-Ausgabe von "Sports Illustrated" ist sie praktisch nackt zu sehen, nur bemalt mit einem auf dem Busen abgerissenen Trikot und einem gepunkteten Höschen. Auf Fotos in der deutschen Ausgabe von "GQ" trägt sie etwa 15 Zentimeter hohe Stiletto-Stiefel. Sieht super aus. Das Problem ist nur, dass Brandner in Interviews betont, ihr sei der Rummel um ihre Person schon bei der letzten EM zu viel gewesen, und dass es ihr unangenehm sei, auf der Straße erkannt zu werden. Diese Fotos werden das eher nicht verhindern.
Brandner versucht einen gewagten Spagat: Sie will der sympathische Kumpeltyp sein, bei Fußballspielen sitzt sie angeblich lieber auf der Tribüne als im VIP-Bereich, aber sie will sich ihre 15 Minuten Ruhm auch nicht entgehen lassen. Ohne die Liebe zu Schweinsteiger wäre Brandner eher in Kaufhaus-Prospekten als in "GQ" zu sehen, aber auch Schweinsteiger profitiert von der Liaison. Der ewige Bubi mit den albernen Frisuren hat plötzlich die attraktivste Freundin. Und prompt hat er es nicht mehr nötig, sich die Haare zu färben. Brandner ist die Trophäenfrau schlechthin. Sie lässt Schweinsteiger wie einen Mann aussehen.
Erfunden wurde das Doppelpass-Prinzip für Paare von Victoria und David Beckham. Vermutlich war es Victoria. Sie konnte auf diese Weise ihren verblassenden Ruhm als Ex-Spice-Girl auffrischen, und Beckham war nach kurzer Zeit an ihrer Seite nicht wiederzuerkennen. Aus dem Fußballer war der Model-Kicker in Armani-Unterhosen geworden. Und wenn die deutsche Nationalmannschaft zur WM von der Star-Fotografin Ellen von Unwerth in Schwarzweiß und im Stil Al Capones fotografiert wird (was hätte man in der Zeit für Freistöße trainieren können!), dann wäre das ohne die Mode-Anstrengungen der Familie Beckham nicht denkbar.
In England haben sie dem Phänomen der Spielerfrau längst einen Namen gegeben - WAGs heißen die Damen dort, Wives and Girlfriends - und es bis ins Hysterische gesteigert. Die Ehefrau von Wayne Rooney beispielsweise hat mittlerweile ein Parfum unter ihrem Namen auf dem Markt und eine Fitness-DVD. Auch der typische Spielerfrauen-Look wurde in England kreiert: lange, mähnige Haare, Kleidergröße ganz klein und ein Gesicht, das ohne regelmäßige Kosmetikerinnen- und Schönheitschirurgen-Besuche nicht zu haben ist. Dazu teure Handtaschen. So kamen die englischen Spielerfrauen zur WM 2006 nach Deutschland und mischten Baden-Baden auf.
Deutsche Spielerfrauen verhalten sich zu ihren englischen Kolleginnen wie Langhaardackel zu Königspudeln. Aber die öffentliche Erwartung an sie hat sich durch die Auftritte einer Victoria Beckham oder auch durch Sylvie van der Vaart verändert. Van der Vaart lebte drei Jahre in Deutschland, als ihr Mann Rafael für den HSV spielte. Obwohl sie schon vor einiger Zeit mit ihrer Familie nach Madrid zog, war van der Vaart dem "Stern" noch in diesem Frühjahr eine Titelgeschichte wert, in der sie über ihre Brustkrebserkrankung redete - eine junge Frau, die bekannt ist für ihr blendendes Aussehen und für ihr Leben an der Seite eines Fußballstars. In dem Text wird sie mit den Worten zitiert "Bin ich mehr als nur hübsch und eine Spielerfrau?"
Ende der sechziger Jahre stellten sich viele Frauen diese Frage, sie lautete damals: Bin ich mehr als nur eine Ehefrau? und läutete einen Aufbruch ein. Dass sich im Männersport Fußball das Rollenbild der hingebungsvollen Gattin so lange gehalten hat, ist aber nicht wirklich verwunderlich. Es geht hier um sehr junge Männer, die viel Geld verdienen, unter hohem Leistungsdruck stehen, aber kaum Lebenserfahrung haben. Manche von ihnen gehen auf Nummer sicher und bleiben erst mal bei dem Mädchen, neben dem sie schon in der Schule saßen. Andere setzen alles ein, was sie zu bieten haben, um sich einen blonden, langbeinigen Traum zu erfüllen. Der Typ Jugendliebe und der Typ Trophäenfrau ist unter den Spielerfrauen deshalb besonders häufig zu finden.
Anfang der achtziger Jahre gab es außerdem noch Gaby Schuster. Sie war ein ganz eigener Typ. Wie ein kalter Schrecken kam sie über die Fußballwelt. Sechs Jahre älter als ihr Mann Bernd Schuster, der bald den Spitznamen "Pantoffelheld" trug, übernahm sie als seine Managerin die Verhandlungen über seine Karriere. "Das war völlig ungewöhnlich, das war ja revolutionär", erinnert sich Reiner Calmund. "Wir haben die Nase gerümpft, heute kann man sagen, wenn man sieht, wie sie es gemacht hat, mit welchen Kriterien sie angetreten ist, da kann man sagen, à la bonne heure."
Seitdem sind viele Jahre vergangen, doch die Öffentlichkeit hält unbeirrt am altmodischen Rollenbild des hübschen, fürsorglichen Anhängsels fest. Und es wird ständig reproduziert: Wenn die Kamera bei einer Fußballübertragung auf die Tribüne mit den Damen schwenkt, wenn der Boulevard schreibt "Seine Frau tröstet ihn" oder die Hochglanzmagazine Fotostrecken von Spielerfrauen in Pin-up-Posen bringen. Am Ende steckt vor allem Geschäftssinn dahinter. Die Sportwissenschaftlerin Christine Eisenbeis hat eine Diplomarbeit über das Phänomen der Spielerfrauen geschrieben. Das Interesse an den Damen sei auch deshalb so groß, sagt Eisenbeis, weil es mittlerweile eine Vielzahl von bunten Blättern und Klatschmagazinen gebe, die irgendwie gefüllt werden müssten.
Außerdem werden viele Fußballspieler durch ihr Management strikt abgeschirmt, und wenn der Profi für die Medien nicht zu erreichen ist, suggeriert ein Bericht über seine Freundin oder Frau immerhin eine gewisse Nähe zu dem Star. Der entscheidende Aspekt ist für Eisenbeis aber die Sexualisierung des Fußballsports. Begonnen habe die in Deutschland mit der Fernsehsendung "ran", die auf diese Weise auch weibliche Zuschauer gewinnen wollte. Mittlerweile gibt es kaum einen erfolgreichen Fußballer, der nicht schon mit nacktem Oberkörper fotografiert wurde. Und je attraktiver die Männer inszeniert werden, desto begehrenswerter erscheint es, die Frau an seiner Seite zu sein.
Traumjob Spielerfrau? Eine, die drei Jahre lang mit einem Profi vom Hertha BSC zusammenlebte, berichtet, dass so ein gemeinsames Leben ausschließlich von den Terminen des Mannes diktiert werde. Jedes Wochenende ein Spiel und in der Nacht zuvor, auch wenn es kein Auswärtsspiel ist, Übernachtung im Mannschaftshotel. Dazwischen Trainingslager. Eine Frau, die ganz normal zur Uni geht oder berufstätig ist, sieht ihren Mann da kaum noch. Andererseits ist regelmäßige Berufstätigkeit unter Spielerfrauen ohnehin nicht sehr weit verbreitet. Manchen Frauen scheint eine Liebesgeschichte mit einem Fußballer wie die Abkürzung zu Prominenz, Erfolg und Geld, als ob man Germany's next Topmodel und Deutschlands Superstar auf einmal geworden wäre. Und die Rechnung geht durchaus auf. Zumindest so lange, wie die Beziehung hält.
Quelle: Spiegel Online
morog schrieb:
am 24. Juni 2010 um 11:58:10
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Spielerfrauen
Nun lasst mal die Kirche im Dorf. Es wird sich schon zeigen, welche Beziehung tragfähig ist und welche nicht. Sicher gehören
nicht alle zur Gruppe Girlies/Groupies, obwohl es schon manchmal schwer fällt, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.
Andererseits: ob ich allerdings als (Spieler) Frau einen bisher nur überwiegend bespaßten, Playstation spielenden, komplett versorgten Fußballer für den Rest des Lebens haben möchte, sei ebenfalls dahin gestellt. Da braucht eigentlich es schon etwas mehr!
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mobil 22 schrieb:
am 23. Juni 2010 um 12:07:35
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Spielerfrauen / Geld
Geld macht nicht glücklich, aber man kann beruhigt unglücklich damit leben.
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Ausgetretener schrieb:
am 23. Juni 2010 um 11:21:13
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nicht so dolle hübsch
So richtig gefallen tut mir eigentlich nur Simone Ballack, die anderen sind irgendwie austauschbare Püppchen mit Standardgesichtern.
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