26.11.2009, 17:07 Uhr
Die „neue Hand Gottes“ sagen die einen, „Betrug“ schimpfen die anderen. Wie man es auch nennen mag, Fakt ist: Dank des mit der Hand von Thierry Henry vorbereiteten Tores im entscheidenden zweiten Relegationsspiel gegen Irland hat die Grande Nation den Sprung zur WM in Südafrika geschafft.
Weltmeisterlich haben die Franzosen nicht gespielt, nicht einmal vizeweltmeisterlich. Aber vor dem Turnier 2006 war das auch nicht anders - das Ergebnis ist bekannt.
Video: Henrys Hand ebnet Frankreich den Weg zur WM
Im ÜberblickSpielplan der Gruppe A
Schon vor dem Showdown mit Irland hatte Frankreich Mühe in der Qualifikation. Die Europa-Gruppe 7 mit Serbien, Österreich, Litauen, Rumänen und den Färöer schien eigentlich machbar, doch Les Bleus legte mit einem 1:3 in Wien gegen Österreich gleich einen veritablen Fehlstart hin. Zwar blieb das die einzige Niederlage der Franzosen, aber gegen Rumänien ließen sie in beiden Spielen Punkte liegen und auch das vorgezogenen Endspiel um den Gruppensieg in Serbien fand keinen Sieger. Darüber hinaus schrammten Ribery und Co. beim Fußballzwerg Färöer knapp an der Blamage vorbei: Mehr als ein 1:0 auf den Schaafsinseln sprang für den Vizeweltmeister nicht raus. Am Ende hatte Serbien einen Punkt mehr gesammelt und Frankreich musste in die Relegation, die nach dem 1:0-Sieg in Dublin und dem 1:1 nach Verlängerung in Paris gerade noch mal gut ging.
In Frankreich stets umstritten: Trainer Domenech. (Foto: imago)Nach der verpatzten EM 2004 in Portugal übernahm U-21-Trainer Raymond Domenech das Amt als Selectionneur von Jacques Santini. Bei der Kandidatur setzte sich der frühere knallharte Verteidiger von Olympique Lyon und Racing Straßburg überraschend gegen Nationalhelden wie Laurent Blanc oder Jean Tigana durch. Kein Wunder, dass er als Newcomer öffentlichen Gegenwind ertragen musste und es auch in der Mannschaft rumorte. Nicht einmal der überraschende Gewinn der Vizeweltmeisterschaft 2006 hat die Kritiker mit dem streitbaren Coach versöhnt.
Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der EM 2008 und auch während der stotternden Qualifikation für Südafrika geriet Domenech immer wieder in die Schusslinie, weil seine Mannschaft trotz ihrer tollen Individualisten keinen herzerfrischenden Fußball spielt. "Das Talent der Bleus wird verschwendet", kritisiert beispielsweise der frühere Nationalspieler Bixente Lizarazu jüngst. Nachdem Domenech anfangs stark auf die alten WM-Helden von 1998 setzte und für die WM 2006 Zinedine Zidane, Claude Makelele und Lilian Thuram zum Comeback überredete, hat er mittlerweile den längst überfälligen und vielfach geforderten Umbruch im Team eingeleitet und um Franck Ribéry und Florent Malouda ein neues Team geformt. Der Mann mit dem Aussehen eines Uni-Professors steht für taktische Disziplin und Beharrlichkeit, privat interessiert er sich für Theater und Astrologie.Nach der WM ist für Domenech aber Schluss, er wird von seinem Schüler Laurent Blanc beerbt.
Frankreichs Fußball-Anarchist Ribéry. (Foto: imago)Bei der WM 2006 in Deutschland gelang Frank Ribéry international der Durchbruch. Der Mittelfeldspieler, damals noch in Diensten von Olympique Marseille, hatte großen Anteil am Gewinn der Vizeweltmeisterschaft. Ribérys Zuhause sind die Außenbahnen: Mit spektakulären Dribblings sorgt der 26-Jährige immer wieder für Konfusion in den gegnerischen Abwehrreihen. Dem FC Bayern war der Transfer des Fußball-Anarchisten die damalige Liga-Rekordsumme von 25 Millionen Euro wert - gut investiertes Geld, wie schon in seiner ersten Saison zu sehen war. Dabei ist Ribéry ein Spätstarter. Zu Beginn seiner Karriere tingelte er im Einjahresrhythmus von Boulogne über Alés nach Brest und Metz. Als Alés pleite ging, verdiente sich Ribéry seine Brötchen sogar für einige Zeit als Straßenarbeiter - das ist alles keine sechs Jahre her. Auf eine weitere Saison bei Galatasaray in der Türkei folgte dann die Spielzeit in Marseille, wo er zum Nationalspieler aufstieg. Zuletzt war der freche Franzose, der immer wieder alberne Späße mit seinen Teamkollegen treibt, allerdings sehr verletzungsanfällig. Außerdem war Ribéry mit anderen Teamkollegen in eine Rotlicht-Affäre verwickelt - bei der WM will er dieses unselige Kapitel vergessen machen.
Mit einigen Jahren Verspätung hat Frankreich den Generationswechsel vollzogen. Neue Talente drängen nach vorne und suchen ihren Platz in der Fußball-Geschichte der Equipe Tricolore. Dazu gesellen sich Routiniers wie William Gallas und Nicolas Anelka vom FC Chelsea oder Patrice Evra von Manchester United und Stürmerlegende Thierry Henry vom FC Barcelona. Doch die richtige Mischung hat Trainer Domenech noch nicht gefunden, wie zuletzt in der Qualifikation zu sehen war. Potenzielle Superstars wie Karim Benzema treten auf der Stelle oder plagen sich mit Verletzungen rum, wie Ribéry. Dennoch sollte der Einzug ins Achtelfinale Pflichtprogramm sein.
Frankreich im Überblick:
| ||
Verband | Fédération Française de Football | |
Spitzname | Les Bleus | |
Trainer | Raymond Domenech | |
Kapitän | Thierry Henry | |
Star | Franck Ribéry | |
Der aktuelle Kader | ||
So lief die Qualifikation | ||
Rekordspieler | Lilian Thuram (142 Länderspiele) | |
Rekordtorschütze | Thierry Henry (51 Tore) | |
Größter Erfolg | Weltmeister 1998, Europameister 1984, 2000 | |
FIFA-Weltranglistenplatz | 9 | |
Bisherige WM-Teilnahmen | ||
Bestes WM-Ergebnis | Weltmeister | |
Bilanz gegen Deutschland | 23 Spiele - 10 Siege - 6 Remis - 7 Niederlagen - 38: 39 Tore | |
Quelle: t-online.de
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