15.07.2010, 14:51 Uhr | dpa
Keine Einsicht, dafür neue Attacken von Frankreichs Skandalstürmer Nicolas Anelka. Im ersten Interview rund vier Wochen nach seiner wüsten Schimpfkanonade gegen den damaligen Nationalcoach Raymond Domenech rechtfertigte Anelka seinen Aussetzer bei der WM in Südafrika. "Das musste irgendwann einmal explodieren", sagte der 31 Jahre alte Chelsea-Profi der französischen Zeitung "France Soir". Hätte er nicht geschimpft, hätte das ein Anderer getan. Alle in der Équipe Tricolore seien einer Meinung gewesen, versicherte Anelka.
Obwohl es in Frankreich Kritik hagelte und auch Politiker bis hinauf zu Staatspräsident Nicolas Sarkozy das Team an den Pranger stellten, knöpft sich Anelka bei seiner Verteidigung einen früheren Berufskollegen vor, und zwar den ehemaligen Bayern-Außenverteidiger Bixente Lizarazu. Lizarazu hatte erklärt, in Südafrika hätten alle den Kopf verloren. "Er soll den Mund halten", meinte Anelka und fragte ironisch: "Lizarazu, wer ist das schon?"
Den umstrittenen und inzwischen von Laurent Blanc abgelösten "verrückten Professor" Domenech wollte Anelka im Interview nicht weiter kritisieren. Dafür ging er mit Lizarazu hart ins Gericht. Der heutige TV-Mitarbeiter sei lediglich "ein Ex-Profi, dem es an Anerkennung mangelt". Lizarazu sei beim WM-Fiasko 2002 dabei gewesen, als Frankreich ebenfalls nach der Vorrunde ausgeschieden sei. "Ich war damals nicht im Kader, habe aber keine Kommentare abgegeben", sagte Anelka.
Der Stürmer widersprach Medienberichten, wonach die Rädelsführer im französischen Team in Südafrika jüngere Kollegen zu jenem berüchtigten Trainingsboykott genötigt hatten, mit dem die Bleus in Knysna gegen den Anelka-Ausschluss protestiert hatten. "Alle waren solidarisch. Wenn es Spieler gab, die damals doch trainieren wollte, dann sollen die jetzt reden", forderte Anelka, der seinen Vertrag mit Chelsea jüngst bis 2012 verlängert hatte. Laut "France Soir" ist Anelka immer noch sichtlich wütend, obwohl er mit Frau und zwei Kindern zur Zeit auf Bali Urlaub macht.
Der Weltmeister von 1998 war in Südafrika nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden schon nach der Vorrunde ausgeschieden. Aber das Team um Bayern-Star Franck Ribéry und Rekordtorjäger Thierry Henry blamierte sich nicht nur auf dem Rasen. Vor allem die vielen Skandale abseits des Platzes mit der Tirade Anelkas in der Halbzeit des Mexiko-Spiels (0:2), dem Ausschluss des Stürmers, dem Trainingsstreik und einer Cliquenbildung sorgten für Empörung.
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Quelle: dpa
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