07.07.2010, 14:41 Uhr | sid
William Gallas kann nicht fassen, wie er und seine französischen Mannschaftskollegen sich während der WM in Südafrika präsentiert haben. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die WM ist für den vormaligen Vize-Weltmeister Frankreich seit dem 22. Juni beendet. Die Aufarbeitung des unwürdigen Geschehens auf und neben dem Platz jedoch dauert unvermindert an. Ex-Trainer Raymond Domenech und seine Spieler arbeiteten beim Turnier in Südafrika nicht mit-, sondern gegeneinander. Das Resultat waren ein Tor und ein Punkt aus drei Partien. "Es war ein Fiasko, für das es Gründe gibt", erzählte Abwehrhüne William Gallas dem Wochenmagazin "Les Inrockupitbles": "Ich sehe keinen Sinn darin, etwas zu verschleiern. Alles ging vom Trainer aus. Er war das wahre Problem."
Allerdings ist Domenech auch nur die eine Hälfte des Desasters. Gallas gab zu: "Ich war nicht gut, wir waren nicht gut. Aber der Coach war einfach nicht auf dem neuesten Stand. Ich war entsetzt, dass wir nicht mit zwei Stürmern gespielt haben."
Gallas, der zuletzt beim FC Arsenal London unter Vertrag stand und sich derzeit auf Vereinssuche befindet, kritisierte auch die Trainingsmethoden Domenechs. "Sogar die Übungseinheiten hatten nicht das nötige Niveau. Man kann die besten Spieler der Welt haben, aber ohne den entsprechenden Trainer kann man nichts erreichen", meinte der 32-Jährige. "Domenech war nicht offen. Viele Spieler waren nicht in der Lage, mit ihm zu reden. Auch ich nicht."
Selbst den Aussetzer von Nicolas Anelka, der Domenech in der Halbzeitpause des WM-Vorrundenspiels gegen Mexiko auf das Übelste beschimpft hatte, rechtfertigte Gallas: "Anelka hatte schon ein paar Wochen zuvor genug. Domenech hat uns immer wieder gesagt, dass wir unsere Egos hintanstellen sollten. Er selbst hat das aber wohl vergessen." Anelka war in Folge seiner Hass-Tirade vom französischen Verband suspendiert worden. Die Mannschaft reagierte daraufhin mit einem Trainingsboykott.
Anschließend echauffierte sich Gallas darüber, dass Patrice Evra und nicht er selbst bei der WM die Kapitänsbinde tragen durfte. "Das Schlimmste war die Art und Weise, auf die ich es erfahren habe. Ich kam vor dem Testspiel gegen Costa Rica in die Teamkabine und sah, dass die Binde neben Evras Trikot hing", klagte Gallas: "Domenech sagte mir, dass ich auf gar keinen Fall einen guten Kapitän abgeben würde."
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Domenech, der zur Krönung nach dem entscheidenden 1:2 gegen Südafrika seinem Kollegen Carlos Alberto Parreira den Handschlag verweigert hatte, wurde nach der WM von Laurent Blanc als Trainer der Equipe Tricolore abgelöst. Verbandschef Jean-Pierre Escalettes reagierte auf die peinlichen Vorstellungen der Franzosen mit seinem Rücktritt.
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Quelle: sid
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